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Kometen-Auswertungen


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C/2020 R4 (ATLAS)


Auf Aufnahmen vom 12. September 2020 entdeckte das "Asteroid Terrestrial-Impact Last Alert System" (ATLAS) Team einen Kometen der 19. Größenklasse nahe der Grenz der Sternbilder Walfisch/Eridanus. Nachfolgebeobachtungen des Kometen C/2020 R4 (ATLAS) zeigten eine deutlich verdichtete, 12" große Koma der Gesamthelligkeit 18.8m und einen 15" langen Schweif in PW=275°. Der Komet wird sein Perihel in der Sonnendistanz von 1.03 AE am 1. März 2021 passieren (CBET 4849), wobei eine Helligkeit von 15.5m erwartet wird. Bis zum 23. April nähert er sich der Erde bis auf 0.46 AE und könnte dann 13.5m hell werden. Heller als 16m wäre er zwischen Februar und Mai 2021, wobei er in diesem Zeitraum durch die Sternbilder Steinbock, Adler, Herkules, Nördliche Krone (maximale Helligkeit), Bärenhüter, Jagdhunde und Löwe läuft. Von mitteleuropäischen Standorten aus kann er zwischen Mitte März und Ende Mai verfolgt werden.

Der Komet stellte kein leicht zu beobachtendes Fernglasobjekt dar. Zwar erreichte er gemäß den Helligkeitsparametern eine Maximalhelligkeit von 8.9m am 21. April 2021. Doch da er drei Tage später die größte Erdnähe erreichte, wies er in jenen Tagen einen scheinbaren Durchmesser der ziemlich diffusen Koma von immerhin 7' auf. Auf der Basis von 201 Beobachtungen von 47 Beobachtern (bis Anfang August 2021) ergeben sich die Helligkeitsparameter zu

m0 = 9.4m / n = 3.7

Als der Komet am 10. März 2021 wieder beobachtbar wurde, wies er eine Helligkeit von 10.5m auf. Im weiteren Verlauf ist eine Phase kleinerer Helligkeitsschwankungen im März und April angedeutet. Ob der Komet in den Tagen vor der größten Erdnähe tatsächlich eine dreiviertel Größenklasse schwächer als errechnet war oder dies der diffusen Koma geschuldet ist, ist unklar. Aufgrund dieser Helligkeitsdelle erreichte der Komet tatsächlich nur eine Maximalhelligkeit von 9.1m am 25. April. Ende Juni war die Helligkeit bereits auf 14.5m zurückgegangen.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der scheinbare Komadurchmesser maß Mitte Dezember 2020 nur 1.5'. Mitte März 2021 bereits 2.5' vergrößerte sich die Koma bis zum 30. April auf den Maximalwert von 8'. Nach der Erdpassage schrumpfte die Koma rasch und maß Anfang Juni nur noch 1.0'. Der absolute Komadurchmesser betrug im Dezember 2020 bereits 125.000 km. Um den 10. März maß die Koma 175.000 km, ging dann aber in den Tagen der größten Erdnähe bis auf 150.000 km zurück (was wohl ein Auswahleffekt aufgrund der großen diffusen Koma war, die von den Beobachtern nicht mehr vollständig erkannt wurde), um in der ersten Maiwoche den Maximalwert von 190.000 km zu erreichen. Bis Mitte Juni war der Komadurchmesser auf 80.000 km zurückgegangen. Die Koma präsentierte sich recht diffus. Der Kondensationsgrad lag bis Anfang Mai bei DC 3 bis DC 3-4, um dann bis Mitte Mai auf DC 2 zurückzugehen. Ein Schweif mit einer maximalen Länge von 10' (500.000 km) konnte zwischen dem 10. April und dem 10. Mai festgestellt werden. In diesem Zeitraum veränderte er seine Orientierung von Südwest nach Südost.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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