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Kometen-Auswertungen


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46P/Wirtanen

2018/19


Der Komet 46P/Wirtanen (P=5.44a) wird am 12. Dezember 2018 ein weiteres Mal durch sein Perihel (im Sonnenabstand von 1.06 AE) laufen. Am 16. Dezember wird er zudem der Erde bis auf 0.078 AE nahekommen und sollte dabei eine maximale Helligkeit von 4.0m und eine maximale scheinbare Geschwindigkeit von 10'/h erreichen. Gemäß meinen empirischen Formeln darf in diesem Fall mit einem Komadurchmesser von 55' und einem Schweif von 1° Länge gerechnet werden. Nach der Erdnähe wird die Helligkeit rasch zurückgehen. Heller als 12m sollte er zwischen September 2018 und März 2019 sein. In diesem Zeitraum wandert der Komet durch die Sternbilder Walfisch (südlicher Bereich), Chemischer Ofen, Eridanus, Stier (Perihel/Erdnähe), Fuhrmann, Luchs, Großer Bär und Kleiner Löwe. Von Mitteleuropa aus kann er zwischen September und November tief über dem mitternächtlichen Südhorizont beobachtet werden. Danach steigt er steil nach oben und erreicht an Weihnachten zenitnahe Höhen. Im März 2019 ist er dann besser vor Mitternacht zu beobachten. Die Erde wird die Kometenbahnebene am 15. Dezember kreuzen.

Der Komet erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen und konnte den gesamten Dezember hinweg sogar mit bloßem Auge als mindestens vollmondgroße "Wolke" - die ihre Position aufgrund der Erdnähe von Tag zu Tag deutlich veränderte - beobachtet werden. Wie erwartet, nahm die Helligkeit nach dem Perihel und der größten Erdnähe rasch ab. Hinzu kam, dass die Koma stetig diffuser und die Horizonthöhe kleiner wurde, so dass er bereits Mitte Januar 2019 kein einfaches Fernglasobjekt mehr war. Auf der Basis von 451 Beobachtungen von 53 Beobachtern ergibt sich vor und nach dem Perihel eine deutlich unterschiedliche Helligkeitsentwicklung, die sehr gut mit den Formeln

vor dem Perihel: m = 9.4m + 5×log D + 21.5×log r
nach dem Perihel: m = 9.6m + 5×log D + 10.0×log r

dargestellt werden kann. Auf der Basis der Formeln ergibt sich eine Maximalhelligkeit von 4.3m am 16. Dezember 2018. Die realen Beobachtungen weisen sogar eine etwas größere Helligkeit nach, nämlich 4.0m.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der scheinbare Komadurchmesser stieg zunächst ziemlich stetig von 0.6' Mitte September 2018 auf knapp 40' Ende November an, um danach noch rascher bis auf den Maximalwert von etwa 75' kurz vor der größten Erdnähe anzusteigen. Nach der minimalen Erddistanz kam es zu einem extrem raschen Rückgang bis auf 45' kurz vor den Weihnachtstagen 2018, der gefolgt wurde von einem etwas langsameren Abfall bis auf 30' um den 20. Januar 2019 und möglicherweise bis auf nur noch 12' am Ende der ersten Februarwoche. Der absolute Komadurchmesser stieg zunächst stetig von 45.000 km Mitte September 2018 auf 275.000 km Mitte November an. Dieser Wert wurde bis um den 10. Dezember ziemlich konstant gehalten, doch kam es danach bis zu den Weihnachtstagen scheinbar zu einem Rückgang bis auf 200.000 km. Danach scheint sich die Koma erneut ausgedehnt zu haben und erreichte um den 20. Januar 2019 einen Durchmesser von etwa 300.000 km, der aber dann bis zum Ende der ersten Februarwoche möglicherweise auf 190.000 km zurückging. Allerdings muss diese letzte Entwicklung erst noch durch weitere Beobachtungen abgesichert werden.

Die Koma war stets nur mäßig verdichtet, wies allerdings eine markante kleine zentrale Verdichtung auf. Der Koma-Kondensationsgrad blieb bis Ende Oktober bei DC 2-3, stieg danach aber stetig bis auf DC 4 in den Tagen des Perihels an. Gleich danach wurde die Koma wieder diffuser. Bis Anfang Februar war der Kondensationsgrad auf DC 2 zurückgegangen. Der schmale Gasschweif wurde nur von einzelnen Beobachtern visuell gesichtet.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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