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C/2017 T1 (Heinze)


Auf Aufnahmen vom 2. Oktober 2017, die im Rahmen des "Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System" (ATLAS) gewonnen wurden, entdeckte Aren Heinze einen Kometen der 18. Größenklasse im Sternbild Wasserschlange, nahe der Grenze zum Sternbild Einhorn. Nachfolgebeobachtungen des Kometen C/2017 T1 (Heinze) zeigten Mitte Oktober eine mäßig verdichtete, 12" große Koma der Gesamthelligkeit 17.0m und einen 35" langen Schweif in PW=245°. Der Komet wird sein sonnennahes Perihel (im Abstand von 0.58 AE) am 21. Februar 2018 passieren und könnte dann 9.5m hell sein (CBET 4444). Allerdings liegt die ermittelte absolute Helligkeit nahe des Bortle-Limits, so dass es möglich ist, dass sich dieser Komet in den Wochen der Perihelpassage auflöst. Auf seinem Weg zum Perihel nähert er sich der Erde am 4. Januar 2018 bis auf 0.22 AE, dürfte aber mit einer prognostizierten Helligkeit von 9.0m und einem Komadurchmesser von etwa 8' kein einfaches Objekt sein. Von Mitteleuropa aus kann er bis Anfang März am Morgenhimmel beobachtet werden, wobei seine Horizonthöhen bis Anfang Januar bei 35° liegen werden, um von Mitte Januar bis Anfang März konstant 10° zu betragen. Von Ende Dezember bis Anfang Februar ist er zusätzlich am Abendhimmel sichtbar, wobei er Mitte Januar Horizonthöhen um 70° erreicht! Zwischen November 2017 und Anfang März 2018 bewegt sich der Komet durch die Sternbilder Wasserschlange, Krebs, Luchs, Giraffe (größte Erdnähe), Kassiopeia, Eidechse und Pegasus. Die Erde wird die Kometenbahnebene am 3. Januar 2018 kreuzen.

Trotz der großen Erdnähe konnten nur 105 Beobachtungen von 34 Beobachtern für eine Auswertung herangezogen werden. Der Grund lag in der geringen Helligkeit der sehr diffusen Koma, was zu einer großen Streuung in den Schätzungen der Helligkeit und des Komadurchmessers führte. Verbunden mit einem Durchmesser der sehr diffusen Koma von etwa 7' war ein sehr transparenter Himmel für eine repräsentative Schätzung erforderlich. Die Helligkeitsschätzungen lassen sich aber leidlich gut mit der Formel

m = 12.3m + 5×log D + 13.5×log r

darstellen. Damit ergibt sich eine maximale Helligkeit von 9.8m bei der Erdpassage und von 9.5m im Perihel. Aufgrund der Erdannäherung stieg die Helligkeit in den ersten drei Wochen rapide von 14.0m auf 9.8m an.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der scheinbare Komadurchmesser stieg von 1.0' auf den Maximalwert von 6.5' zum Zeitpunkt der größten Erdnähe. Danach ging er stetig zurück und maß Mitte Februar noch knapp 2.5'. Daraus ergibt sich eine sehr kontinuierliche Ausdehnung der absoluten Koma von 35.000 km auf 125.000 km im Perihel, was überraschend ist, da der Sonnenwind bei einer Periheldistanz von 0.58 AE ziemlich kräftig ist und die Koma daher bei der Annäherung schrumpfen sollte. Eventuell hat der sehr diffuse Charakter der Koma dazu geführt, dass die anfängliche Ausdehnung zu gering geschätzt wurde und der Komadurchmesser in Erdnähe eher bei 13' (140.000 km) gelegen haben könnte. Dafür spricht auch der Verlauf des Kondensationsgrads. Zu Sichtbarkeitsbeginn bei DC 2 nahm er bis zur Erdnähe auf DC 4 zu, um dann bis Mitte Januar wieder auf DC 2 zurückzugehen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass in den Tagen der Erdnähe nur die innere Koma ausgemacht wurde. In den Tagen vor dem Perihel wurde dann ein Wert von DC 4 geschätzt. Visuelle Schweifsichtungen liegen zwischen dem 22. Dezember und dem 12. Januar vor, wobei die Länge 10' (300.000 km) erreichte. In diesem Zeitraum drehte die Schweiforientierung von WSW über Süd nach Nordost.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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