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Kometen-Auswertungen


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C/2015 V2 (Johnson)


Auf CATALINA-Aufnahmen vom 3. November 2015 entdeckte J.A. Johnson einen Kometen mit einer stark verdichteten, 10-15" großen Koma und einem möglichen Schweif im Sternbild Luchs, nahe den Grenzen zu den Sternbildern Großer Bär und Giraffe. Weitere Beobachtungen des Kometen C/2015 V2 (Johnson) zeigten eine hochverdichtete, 8" große Koma der Gesamthelligkeit 16.5m, die eine zentrale Verdichtung aufwies; zudem zeigte der Komet einen 15" langen Schweif in PW=235°. Der Komet erreicht sein Perihel Mitte Juni 2017 und nähert sich der Erde dabei bis auf 0.80 AE, wobei eine maximale Helligkeit von 6.0m und ein Komadurchmesser von etwa 12' erwartet werden (CBET 4161 / MPEC 2015-W09). Heller als 13m sollte er von Oktober 2016 bis zu seinem Verschwinden für mitteleuropäische Beobachter in den ersten Julitagen sein. Bis auf die letzten drei Wochen der Sichtbarkeit wird er ein Objekt des Morgenhimmels sein. Sein Weg führt ihn bis Ende April 2017 gemächlich durch die Sternbilder Großer Bär, Jagdhunde, Bärenhüter und Herkules. Von Mai bis Juli wird er dann immer rascher durch die Sternbilder Bärenhüter, Jungfrau und Wasserschlange wandern und schließlich an den Südhimmel wechseln.

Der Komet wurde im Frühsommer 2017 zu einem respektablen Fernglasobjekt. Auf der Basis von 692 Beobachtungen von 57 Beobachtern zeigen sich zwei stetige aber unterschiedliche Helligkeitsentwicklungen vor und nach dem Perihel, wobei die Aktivität nach dem Perihel interessanterweise rascher zurückging als sie bei der Sonnenannäherung zunahm. Formelmäßig sieht dies wie folgt aus:

vor dem Perihel: m = 6.8m + 5×log D + 6.8×log r
nach dem Perihel: m = 6.1m + 5×log D + 10.4×log r

Die maximale Helligkeit von 7.8m wurde um den 7. Juni erreicht.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Die CCD-Beobachtungen der ersten Monate ergeben eine langsame Ausdehnung der Koma von 0.2' (60.000 km) im Februar 2016 auf 1.0' (125.000 km) im September 2016. Anfang Dezember 2016 maß der Komadurchmesser 1.5' (175.000 km). In den folgenden Wochen vergrößerte sich der scheinbare Komadurchmesser aufgrund der nunmehr stetig abnehmenden Distanz zur Erde zunehmend rascher, von 2.5' (250.000 km) Mitte Februar 2017 auf 5' (325.000 km) Mitte März, und 11' (520.000 km) Ende April. Ende Mai wurde der Maximalwert von 17' (620.000 km) erreicht. Danach ging er wieder zurück und maß Anfang August nur noch 7' (410.000 km) und Ende Oktober 1.5' (190.000 km). Dabei zeigte sich die Koma moderat kondensiert, mit einem über lange Zeiten konstanten Wert von DC 4-5. Erst ab Juli 2017 wurde die Koma diffuser; der DC-Wert erreichte Ende Juli DC 3 und Ende Oktober DC 1-2. Die Koma wies einen gut erkennbaren false nucleus auf, der im März/April 2017 eine Helligkeit von 13.0-13.5m erreichte.

Visuelle Schweifsichtungen liegen zwischen Dezember 2016 und Juni 2017 vor. Dieser erreichte Ende Mai eine maximale Länge von 20' (1.8 Mill. km). Er wies praktisch die gesamte Zeit über konstant in Richtung WNW. Im März/April präsentierte er sich merklich gekrümmt, was auch visuell ausgemacht werden konnte!

In der Nacht 9./10.12.16 konnte Gerhard Scheerle im 23cm-SC einen schwachen Schweif ausmachen. Die Helligkeit des false nucleus schätzte Gerhard Scheerle in der Nacht 27./28.1.17 auf 14.0m, am 26./27.2. auf 14.2m und am 25./26.3. auf 14.8m. Volker Kasten konnte den Kometen am 26./27.3. im 20x80B nur blickweise erkennen. Am 30./31.3. schätzte Gerhard Scheerle die Helligkeit des false nucleus auf 13.8m.
Volker Kasten konnte den Kometen am 3./4.4. im 20x80B erneut nur blickweise erkennen. Die DC-Schätzung von Volker Kasten am 19./20.4. ist unsicher. Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus im 23cm-SC am 20./21.4. auf 13.6m. Andreas Kammerer beobachtete am 21./22.4. im 8"SC, 50x eine helle, deutlich verdichtete Koma mit einem schwachen, leicht nach Norden gekrümmten Schweif; bei 161x schätzte er die Helligkeit des stellaren false nucleus auf 12.5m. Volker Kastens DC-Schätzung vom 23./24.4. ist unsicher. Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus in der gleichen Nacht im 23cm-SC auf 13.4m. Volker Kastens DC-Schätzung am 27./28.4. ist erneut unsicher. Gerhard Scheerle schätzte am 29./30.4. die Helligkeit des false nucleus auf 13.6m. Volker Kasten schätzte die Helligkeit des false nucleus im 11cm-Reflektor auf knapp 11m.
In der Nacht 16./17.5. beobachtete Andreas Kammerer im 9x63B eine mittelgroße, zum Zentrum hin verdichtete Wolke; im 8"SC, 50x stellte er eine helle zentrale Verdichtung fest; der Schweif war trotz sehr transparenten Himmels überraschend schwierig und sehr diffus; bei 161x bestimmte er die Helligkeit des false nucleus zu 12.5m. Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus in der gleichen Nacht im 9"SC, 112x auf 13.6m. Volker Kasten schätzte die Helligkeit des false nucleus am 17./18.5. im 11.4cm-L, 56x auf etwa 11.7m; einen Schweifansatz vermutete er, der PW konnte nur grob bestimmt worden. Am 20./21.5. schätzte er die Helligkeit des false nucleus auf etwa 10.8m; Schweifansatz wiederum vermutet; PW erneut nur grob bestimmbar. Andreas Kammerer stellte im 9x63B eine mittelgroße, zum Zentrum hin verdichtete Koma fest. Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus im 9"SC, 112x auf 13.8m. Am 25./26.5. schätzte Volker Kasten die Helligkeit des false nucleus im 11.4cm-L, 56x auf 10.7m. Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus am 26./27.5. im 9"SC, 112x auf 13.0m; die Koma erschien ihm gelbgrünlich. Volker Kasten schätzte dessen Helligkeit am 27./28.5. im 8"SC, 80x auf 12.4m. Andreas Kammerer konnte den Schweif im 8"SC, 50x nur erahnen; der von ihm bestimmte PW wurde aber von anderen Beobachtern bestätigt. Am 31.5./1.6. schätzte Volker Kasten den false nucleus im 11.4cm-L, 50x auf 11m.
Bei der Beobachtung von Volker Kasten am 1./2.6. störte Mondlicht erheblich. Am 10./11.6. schätzte Gerhard Scheerle die Helligkeit des false nucleus im 9"SC, 112x auf 13.0m. Volker Kasten beobachtete den Kometen am 14./15.6. während der Mitternachtsdämmerung. Am 18./19.6. schätzte Gerhard Scheerle die Helligkeit des false nucleus im 9"SC, 112x auf 13.0m. Bei der Beobachtung von Volker Kasten am 20./21.6. herrschte noch kräftige Dämmerung. Laut Gerhard Scheerle sind bei seiner Beobachtung am 23./24.6. die Helligkeit und Ausdehnung unsicher, weil mehrere 9m helle Sterne im Feld standen. Am 24./25.6. war für ihn der false nucleus im 9"SC nicht mehr eindeutig erkennbar.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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