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C/2016 U1 (NEOWISE)


Auf Infrarot-Aufnahmen des NEOWISE-Satelliten vom 21. Oktober 2016 wurde ein Komet im Grenzbereich der Sternbilder Luchs/Großer Bär entdeckt, dessen visuelle Helligkeit grob auf 19m geschätzt wurde. Terrestrische Nachfolgebeobachtungen des Kometen C/2016 U1 (NEOWISE) zeigten eine diffuse, 6" große Koma der Gesamthelligkeit 20.0m. Der Komet wird sein sonnennahes Perihel (Sonnendistanz: 0.32 AE) Mitte Januar 2017 passieren (CBET 4335 / MPEC 2016-V116). Da es sich um einen absolut sehr schwachen Kometen handelt, wird er trotz der großen Sonnennähe nur eine Maximalhelligkeit von 11.5m erreichen. Allerdings liegt seine absolute Helligkeit sehr deutlich unterhalb des Bortle-Limits, so dass es extrem wahrscheinlich ist, dass er sich bereits auf dem Weg zum Perihel hin auflöst. Heller als 16m sollte er Anfang Dezember werden; dann durch das Sternbild Bärenhüter laufend. Von Mitteleuropa aus wird er bis in die erste Januarwoche (Sternbild Schlangenträger) hinein am Morgenhimmel sichtbar bleiben, dürfte dann allerdings erst 12m hell sein, sofern er sich bis dahin nicht bereits aufgelöst haben sollte.

Der Komet hielt zum Jahreswechsel 2016/17 eine große Überraschung bereit. Anstatt lediglich ein schwaches teleskopisches Objekt zu bleiben, welches sich wahrscheinlich sogar auflösen würde, präsentierte er sich zum Jahreswechsel als gut erkennbares Fernglas-Objekt mit einer deutlich verdichteten Koma und einem zumindest fotografisch gut erkennbarem Gasschweif.

Die insgesamt 83 Beobachtungen von 27 Beobachtern lassen eher den Schluss zu, dass der Komet erst im Dezember richtig aktiv wurde als dass seine Helligkeit bei der Entdeckung unterschätzt wurde. Nachdem der Komet aktiv geworden war zeigte er eine völlig durchschnittliche Helligkeitsentwicklung, die gut mit der Formel

m = 11.3m + 5×log D + 9.7×log r

beschrieben werden kann. Hieraus ergibt sich eine Maximalhelligkeit von 6.8m im Perihel und von 7.2m am letzten Tag seiner Sichtbarkeit vor der Konjunktion mit der Sonne (7. Januar). Die letzte astrometrische Beobachtung gelang bislang am 12. Januar - zwei Tage vor seinem Periheldurchgang. Allerdings konnte der Komet von keinem Ort auf der Erde aus in den folgenden Monaten mit Aussicht auf Erfolg gesichtet werden. Erst im Mai/Juni 2017 können Südhemispherenbeobachter diesen wieder aufspüren, dann allerdings nur noch 17-18m hell.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der Komadurchmesser maß in den ersten Tagen der visuellen Sichtbarkeit knapp 2' (80.000 km), um sich bis um den 20. Dezember rasch auf 6' (210.000 km) auszudehnen. Danach schrumpfte die Koma - aufgrund des stärker werdenden Sonnenwinds - ebenso rasch wieder und maß um den 5. Januar 2017 nur noch 1.5' (70.000 km). Bis zu seinem Verschwinden verdichtete sich die Koma kontinuierlich – von DC 1 zu Beginn der visuellen Sichtbarkeit auf DC 8 beim Verschwinden in der Dämmerung. Der nach Süden gerichtete Gasschweif konnte visuell bis auf 8' (250.000 km) Länge ausgemacht werden.

Am Morgen des 29.11. konnte Maik Meyer den Kometen gerade so als extrem diffuses Objekt wahrnehmen. Am 5.12. führte der Einsatz eines Lumicon Swan-Band-Filters zu einer Kontrastverstärkung; die Bewegung des Kometen konnte er innerhalb von 10 Minuten feststellen. Gemäß Alexander Geiss war am 30.12. eine deutliche zentrale Aufhellung feststellbar.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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