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252P/LINEAR

2016


Der erst im Jahr 2000 entdeckte Komet 252P/LINEAR (P=5.33a) kommt der Erde am 21. März 2016 bis auf 0.036 AE nahe und könnte dann immerhin 10m hell sein. Allerdings sind die Helligkeitsparameter dieses extrem schwachen Kometen sehr unsicher, wurde er doch bislang nur in zwei Periheldurchgängen gesichtet, von denen jeweils nur sehr wenige Beobachtungen vorliegen. Der Komet wird am 20. März noch nahe des Himmelssüdpols stehen, aber bereits am 26. März über dem mitteleuropäischen morgendlichen Südhorizont – nahe des Stachels des Sternbilds Skorpion – als Objekt der 11. Größenklasse auftauchen und in den folgenden Tagen rasch an Höhe gewinnen. Allerdings wird er rasch schwächer und dürfte Anfang Mai bereits die 16. Größenklasse unterschreiten. Es ist davon auszugehen, dass der Komet nur eine schwache Koma um eine stellare Verdichtung zeigen wird.

Tatsächlich entwickelte er sich zum Überraschungskometen des Frühjahrs 2016. Statt der prognostizierten Maximalhelligkeit von 10m erreichte er am 23. März eine größte Helligkeit von 4.8m (die größte Erdnähe mit 0.036 AE wurde am 21. März erreicht)! Zu diesem Zeitpunkt wies er eine mehr als vollmondgroße Koma auf. Da die Koma sehr diffus war (DC 2-3) konnte sie nur unter sehr klarem Himmel in ihrer vollen Größe erfasst werden. Trotz dieser suboptimalen Bedingungen können für die Auswertung 30 Beobachtungen von 7 FGK-Beobachtern sowie 260 internationale Beobachtungen verwendet werden. Diese weisen insgesamt vier Phasen der Helligkeitsentwicklung aus, die jeweils mit zeitabhängigen Formeln am besten wiedergegeben werden können. Vor dem Perihel zeigte der Komet eine extrem steile Helligkeitszunahme, die dazu führte, dass er seine Helligkeit von der 14. Größenklasse am 27. Februar auf 6.3m am 15. März steigerte! Nach dem Periheldurchgang nahm die Aktivität des Kometen weitere 28 Tage (bis zum 12. April) lang zu. Während dieser Phase erreichte der Komet seine größte Erdnähe und wies zu diesem Zeitpunkt die größte scheinbare Helligkeit von 4.8m auf. Bis zum 12. April war sie trotz dann maximaler Aktivität wieder auf 6.0m zurückgegangen – primär bedingt durch die zunehmende Erddistanz. Es folgte eine dreiwöchige Phase (bis zum 4. Mai) konstanter Aktivität. Danach ging die Aktivität zurück – deutlich langsamer als in den beiden Phasen davor, aber im Vergleich zu anderen Kometen dennoch sehr rasch. Anfang Juni wies der Komet nur noch eine scheinbare Helligkeit von 10.5m auf. Formelmäßig sieht dies wie folgt aus:

t < 0d: m = 12.2m + 5×log D – 0.372×(t-T)
0d < t < +28d: m = 12.6m + 5×log D – 0.080×(t-T)
+28d < t < +50d: m = 10.4m + 5×log D
t > +50d: m = 7.9m + 5×log D + 0.052×(t-T)

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der scheinbare Komadurchmesser nahm zwischen den letzten Februartagen (1') und Mitte März (45') rasant zu. Bis in die ersten Apriltage wies die Koma einen relativ konstanten Durchmesser um diesen Wert auf, mit einem Maximum von 47' in den Tagen der minimalen Erddistanz. Der Rückgang verlief etwas langsamer. Am 6. April wurden 35' beobachtet, am 14. April 25', am 1. Mai 18' und am 31. Mai immer noch 6'. Tatsächlich dehnte sich die Koma bis um den 5. Mai aus, von anfangs lediglich 5.000 km auf den Maximalwert von 200.000 km. Danach schrumpfte die Koma wieder, maß aber Anfang Juni noch immer 110.000 km.

Der Koma-Kondensationsgrad wurde bis zum 1. April konstant auf DC 2 geschätzt, stieg dann aber bis zum 5. April rasch auf DC 3 an. Ab dem 15. April wurde die Koma dann wieder langsam diffuser; Mitte Mai wurde der Kondensationsgrad nur noch auf DC 1 geschätzt. Visuell konnte kein Schweif ausgemacht werden.

Am 4./5.3. beobachtete Robin Hegenbarth den Kometen von Südafrika aus als eine kleine, diffuse strukturarme Wolke. Am 9./10.3. notierte er eine recht kondensierte innere Koma; bei indirektem Sehen war eine sehr diffuse große äußere Koma erkennbar. Am 19./20.3. konnte er den Kometen als ausgedehnte Wolke leicht mit bloßen Augen ausmachen; er erschien wie eine "kleine Kleine Magellansche Wolke"; innerhalb von 30 Minuten war die Bewegung um ca. 11.5' relativ zum Fixsternhimmel gut erkennbar. Uwe Pilz beobachtete am 27./28.3. eine längliche Koma, wobei aber der Mond störte. Walter Kutschera notierte am 1./2.4. eine große, runde merkliche Aufhellung ohne Verdichtung. Volker Kasten verglich am 6./7.4. den Kometen mit M14: der Kugelsternhaufen war im 15x50B viel kleiner, aber etwas flächenheller als der Komet. Walter Kutschera beobachtete am 8./9.4. eine große runde Koma; im 20"-Reflektor hob sich der Kernbereich deutlich ab. Gemäß Volker Kasten wies der Komet in der Nacht des 1./2.5. eine etwas höhere Flächenhelligkeit als M 101 auf. Am 2./3.5. beobachtete Walter Kutschera eine leicht elliptische Koma. Am 7./8.5. war der Komet für Uwe Pilz überraschend schwierig. Am 6./7.6. zeigte sich der Komet gemäß Uwe Pilz äußerst diffus und wies zwei Helligkeitsbereiche auf: eine innere, 5' große Koma und eine äußere, 12' große Koma; aufgrund der Größe und diffusen Morphologie konnte er die Helligkeit nicht schätzen.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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