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Kometen-Auswertungen


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C/2026 A1 (MAPS)


Ein Mitglied der Kreutz-Gruppe wurde als erster Komet des Jahres 2026 am 13. Januar im Sternbild Taube entdeckt, und zwar im Rahmen des MAPS-Projekts. Auf den Entdeckungsaufnahmen wurde die Helligkeit des Kometen C/2026 A1 (MAPS) zu 18.0m ermittelt, bei einem Durchmesser der diffusen Koma von 12". Remote-Aufnahmen von Michael Jäger und Gerald Rhemann vom 18. Januar zeigten eine 2.5' große Koma der Gesamthelligkeit 16.1m. Nachträglich konnte der Komet bis zurück zum 18. Dezember 2025 festgestellt werden. Es handelt sich um den Kreutz-Kometen, der bislang in der größten Sonnendistanz beobachtet wurde. Der Komet wird sein Perihel am 4. April 2026 in der Sonnendistanz von lediglich 0.0057 AE passieren (CBET 5658). Bei einer durchschnittlichen Helligkeitsentwicklung könnte er sehr kurzfristig bis -2m hell werden, allerdings sehr dicht an der Sonne, so dass wohl eher die Sonnensonden seine Entwicklung in den Tagen um das Perihel werden verfolgen können.

Die absolute Helligkeit liegt allerdings deutlich unter dem Bortle-Limit. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Komet bei seiner Annäherung an die Sonne auflöst, prinzipiell recht groß. Auf der anderen Seite ist es möglich, dass er keine durchschnittliche Helligkeitsentwicklung aufweist, seine absolute Helligkeit noch deutlich ansteigt und er dann das Perihel erreichen oder knapp überstehen kann. Beispiele sind die Kometen C/2006 P1 (McNaught) und C/2011 W3 (Lovejoy). Heller als 16m wäre er bei einer durchschnittlichen Entwicklung bis Ende Mai. In diesem Zeitraum bewegt er sich zunächst rückläufig vom Sternbild Eridanus ins Sternbild Fische, um sich in der Folge rechtläufig von den Fischen bis in den Orion zu bewegen. Von mitteleuropäischen Standorten aus bleibt er praktisch unsichtbar. Lediglich in den wenigen Tagen um das Perihel könnte er - sofern er tatsächlich kurzfristig heller als 0m werden sollte - eventuell in der hellen Dämmerung mit dem Fernglas/Teleskop ausgemacht werden. Eventuell könnte die Vorwärtsstreuung hilfreich sein, die am 4. April von 14hUT bis 23hUT eine Helligkeitssteigerung von mehr als 1m verursachen soll, die um 16hUT etwa 4.5m erreichen wird. Sollte er die extreme Sonnennähe überstehen, kann versucht werden, den Kometen in den Tagen um das Perihel in der hellen Abenddämmerung ausfindig zu machen. Die Erde kreuzt die Kometenbahnebene am 29. März.

Die Entwicklung des Kometen wurde mit Spannung verfolgt, wies die absolute Helligkeit doch darauf hin, dass er während der Annäherung an die Sonne zerfallen wird. Nach einer raschen Aktivitätssteigerung bis 33 Tage vor dem Perihel (2. März 2026) nahm seine Aktivität zwar deutlich langsamer, aber bemerkenswert stetig zu. Auf der Basis von 245 Beobachtungen von 27 Beobachtern ergeben sich die folgenden Helligkeitsparameter:

t < -33d: m0 = 10.0m / n = 9
t > -33d: m0 = 10.9m / n = 3.4

Entwicklung der heliozentrischen Helligkeit

Z. Sekanina hält es für sehr wahrscheinlich, dass es sich beim Kometen C/2026 A1 (MAPS) um ein Fragment des extrem hellen Kometen Ende 363 n.Chr. handelt, der am Taghimmel sichtbar war. Die deutlich größere Umlaufszeit kann erklärt werden, sofern die Fragmentation in großer Sonnendistanz nach dem Periheldurchgang stattfand. Da der Komet einen eher geringen Durchmesser aufweist, erwartete er, dass er nahe r = 0.2 AE zerbricht. Allerdings sind Prognosen extrem schwierig, da bislang noch kein Kreutz-Komet in einer solch großen Sonnendistanz beobachtet wurde (CBET 5663). Gemäß CBET 5675 beträgt die Umlaufszeit unter Hinzunahme nicht-gravitativer Stödungen 1740 Jahre, so dass er sein letztes Perihel in der 2. Jahreshälfte 285 n.Chr. passiert haben dürfte.

Letztlich erreichte der Komet sein Perihel nicht intakt. Die letzten Stunden konnten mittels SOHO-Aufnahmen verfolgt werden. Der Komet tauchte am 2. April um 15:45 UT im C3-Feld auf, wobei er einen eher schwachen, etwa 1° langen Gasschweif aufwies. Bis zum 4. April, 7hUT wurde er stetig heller, danach wurde er teilweise von der Blendenhalterung bedeckt, so dass Helligkeitsbestimmungen mit größeren Unsicherheiten behaftet sind. Gegen 9:30 UT verschwand er im Positionswinkel 130° hinter der Blende. Der Schweif war bis zu diesem Zeitpunkt auf eine Länge von etwa 2° angewachsen. Das Perihel erreichte der Komet am 4. April um 14:25 UT. Die Spitze der Trümmerwolke erschien am 4. April gegen 20:30 UT im Positionswinkel 310° (also genau gegenüber der Eintrittsposition), deren Ende kam am 5. April, 7hUT hinter der Blende hervor, womit sie eine Längenausdehnung von etwa 1.5° aufwies. Die Trümmerwolke zeigte sich anfangs - verursacht durch eine kurzfristige Vorwärtsstreuung - sehr hell. Ab etwa 7hUT begann die Helligkeit abzufallen, gleichzeitig bewegte sich die Wolke radial von der Sonne weg (aber entgegengesetzt zur ursprünglichen Kometenbahn) und dehnte sich in der Längsachse langsam aus. Letztmals mit Sicherheit konnte die Trümmerwolke in den frühen Stunden des 7. April ausgemacht werden. Zu diesem Zeitpunkt wies sie eine Längenausdehnung von etwa 2° auf. Im C2-Gesichtsfeld tauchte der Komet am 4. April um 6hUT auf. Gegen 7hUT erreichte er seine größte Helligkeit von -0.8m. Danach ging diese deutlich zurück. Gegen 11:30 UT verschwand der Kometenkopf hinter der Blende (Positionswinkel 130°). Ab 16:45 UT erschien dann die Trümmerwolke im Positionswinkel 310°. Simulationen von Z. Sekanina weisen darauf hin, dass der Komet über mehrere Stunden hinweg zerbrach, wobei dieser Prozess am 4. April gegen 12:15 UT beendet war. Die Trümmerwolke bestand aus submillimetergroßen Silikatpartikeln, deren Bewegung nur vom Strahlungsdruck der Sonne bestimmt wurde (CBET 5681).

Scheinbare Helligkeit und Komadurchmesser

Der Komadurchmesser stieg von 0.7' (30.000 km) zu Sichtbarkeitsbeginn auf den Maximalwert von 7' (375.000 km) Mitte März an. Danach ging er, bedingt durch den zunehmenden Strahlungsdruck, zurück und maß Ende März nur noch 1' (70.000 km). Der Kondensationsgrad stieg von der ersten Märzwoche bis Ende März von DC 3 auf DC 6 an. Ein Schweif wurde ab Anfang Februar beobachtet, seine Länge blieb aber bis um den 25. März unter 0.5°. Die maximale Länge von 2.3° (8 Mill. km) wurde am 4. April erreicht. Während seiner Sichtbarkeit wuchs der Positionswinkel des Schweifs von 55° auf 100° an.

Hätte der Komet sein Perihel erreicht, hätte er über einige Stunden hinweg eine sehr interessante Schweifmorphologie aufgeweisen, die in der nachfolgenden Grafik dargestellt ist. Dabei besitzt die simulierte Schweiflänge eine grö฿ere Unsicherheit, da meine empirische Formel für solch kleine Sonnendistanzen nur unzureichend getestet ist.

Simulation der Schweifmorphologie am 4. April 2026

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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