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Kometen-Auswertungen


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C/2023 P1 (Nishimura)


Am 11. August 2023 entdeckte der japanische Amateur Hideo Nishimura einen Kometen auf einer Aufnahme, die er mit einer Digitalkamera und 200mm-Tele angefertigt hatte. Der im Sternbild Zwillinge positionierte Komet wies eine diffuse, 5' große Koma auf, deren Gesamthelligkeit er auf 10.5-11.0m schätzte. Nachfolgebeobachtungen des Kometen C/2023 P1 (Nishimura) wiesen eine bis zu 3' große Koma der Helligkeit 9.5m und einen 11' langen Schweif in PW=270° nach. Der Komet wird sein sehr sonnennahes Perihel (0.22 AE) am 17. September passieren und könnte dann die 3. Größenklasse erreichen. Seine Elongationen betragen seit Mai (dann ca. 16m hell) weniger als 40° und werden diesen Wert erst Ende November überschreiten (CBET 5285). Entsprechend schwierig wird er weltweit zu beobachten sein. Zudem liegt seine absolute Helligkeit unter dem Bortle-Limit, so dass damit gerechnet werden muss, dass der Komet während seiner Annäherung an die Sonne auseinanderbricht. Sofern er sich nicht auflöst sollte er bis April 2024 heller als 16m bleiben. In diesem Zeitraum bewegt er sich durch die Sternbilder Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau (Perihel), Wasserschlange, Zentaur und Schiffsegel. Von mitteleuropäischen Standorten aus steigt er zunächst über den morgendlichen Nordosthorizont, erreicht Ende August eine maximale Horizonthöhe von lediglich 15° und wird danach rasch dem Horizont entgegensinken, um schließlich um den 12. September in der helleren Dämmerung zu verschwinden. Am 29. November wird die Erde die Kometenbahnebene kreuzen. Der Komet könnte der Ursprungskörper der sigma-Hydraiden sein, die zwischen Ende November und Mitte Januar aktiv sind. Der Radiant liegt bei Rekt.=117° und Dekl.=+5°, wobei die Meteore eine mittlere Geschwindigkeit von 60 km/s aufweisen. Das Maximum wird um den 30. November erwartet (CBET 5290). Weitere astrometrische Beobachtungen und Pre-discovery Aufnahmen bis zurück zum Januar 2023 ergeben eine Umlaufszeit von 437 Jahren. Damit passierte der Komet sein Perihel etwa in den Jahren 302, 723, 1169 (April) und 1588 (Juli) (CBET 5291).

Der Komet überlebte die große Sonnennähe und entwickelte sich zum hellsten Kometen des Jahres 2023! Am Tag des Periheldurchgangs erreichte er eine Maximalhelligkeit von 2.7m, konnte zu diesem Zeitpunkt aber nur unter exzellenten Bedingungen in der helleren Dämmerung ausgemacht werden. Auch in den Tagen zuvor war er aufgrund seiner geringen Horizonthöhen nur schwierig zu beobachten. Nach dem Perihel konnte er von der Erde aus fünf Wochen lang überhaupt nicht beobachtet werden. Auf der Basis von 211 Beobachtungen von 49 Beobachtern zeigt sich eine sehr stetige Helligkeitsentwicklung, die mit der Formel

m†=†8.5m†+†5×log D + 8.6×log r

sehr gut dargestellt werden kann.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der scheinbare Komadurchmesser nahm von 3' zu Sichtbarkeitsbeginn bis Ende August auf den Maximalwert von 6' zu, um dann während der weiteren Sonnenannäherung rasch auf unter 1' zurückzugehen, wobei dieser Wert zu einem Teil auch auf die geringen Horizonthöhen und die Dämmerung zurückgeführt werden kann. Ende Oktober wurden 3' geschätzt. Der absolute Komadurchmesser nahm von 200.000 km zu Sichtbarkeitsbeginn rasch auf 300.000 km Ende August zu, um dann eben so rasch auf etwa 70.000 km zum Zeitpunkt des Perihels zu schrumpfen (siehe Anmerkungen oben). Ende Oktober ergeben sich 225.000 km. Die Koma verdichtete sich innerhalb kurzer Zeit sehr stark, der Kondensationsgrad stieg von DC 3-4 zu Sichtbarkeitsbeginn auf DC 8 im Perihel an. Ende Oktober wurde er immer noch auf DC 5 geschätzt. Ein visueller Schweif wurde zwischen dem 25. August und dem 12. September gemeldet, wobei dieser um den 7. September eine Maximallänge von 3° (7 Mill. km) erreichte. Nach diesem Datum verhinderten die ungünstigen Sichtbedingungen genaue Schweifbeobachtungen. Im Oktober wurde seine Länge auf nur noch 7' (1.5 Mill. km) geschätzt. Der Schweif rotierte vor dem Perihel von West nach Nordwest; im Oktober wies er nach Ost.

Am Morgen des 17.8. konnte Andreas Kammerer den Kometen von der Hakos-Farm aus im 40.0L, 40x beobachten: der Komet zeigte sich als sehr diffuses Objekt, welches in der Dämmerung (Sonnenhöhe -13°) lediglich vage sichtbar war. Ab dem 4.9. beobachtete er den Kometen von Karlsruhe aus (stets mit Extinktionskorrektur): im 9x63B war der Komet zu seiner Überraschung in der Dämmerung (Sonnenhöhe -12°) kaum von einem Stern zu unterscheiden! Am 5.9. erschien er im 9x63B wiederum nahezu stellar; im 12.5T, 31x zeigte sich eine überraschend kleine, hochverdichtete Koma sehr hoher Flächenhelligkeit; der eher schwache Schweif konnte trotz des vom Mond aufgehellten Hintergrunds bis zu einer Länge von 0.2° ausgemacht werden. Am 6.9. erschien ihm der nahezu stellare Komet im 9x63B nicht heller geworden zu sein; im 12.5T, 31x war erneut eine überraschend kleine, hochverdichtete Koma sehr hoher Flächenhelligkeit beobachtbar; der eher schwache Schweif konnte trotz des vom Mond aufgehellten Hintergrunds erneut bis zu einer Länge von 0.2° festgestellt werden. Am 7.9. war der nahezu stellare Komet im 9x63B nur wenig heller geworden; im 12.5T, 31x präsentierte er sich wie am Morgen zuvor, doch konnte der recht schwache Schweif trotz des vom Mond aufgehellten Hintergrunds bis zu einer Länge von 0.5° Länge verfolgt werden, wobei nur die komanahen 0.2° recht deutlich waren. Volker Kasten vermutete im 15x50B einen Schweif von 22' Länge in PW=309°. Am 8.9. war der nahezu stellare Komet für Andreas Kammerer im 9x63B merklich heller geworden, und der schwache Schweif konnte auf eine Länge von 1° verfolgt werden; im 12.5T, 31x zeigte er sich wie an den Vortagen, wobei sich der Schweif ziemlich schwach zeigte. Am 9.9. beobachtete Andreas Kammerer den Kometen in nur 6° Höhe (bei einer Sonnenhöhe von -15° und leichtem horizontnahem Dunst): im 9x63B war er wieder nahezu stellar und der Schweif nur schwach erkennbar; im 12.5T, 31x zeigte sich eine winzige, hochverdichtete Koma sehr hoher Flächenhelligkeit und ein eher schwacher Schweif, der trotz des vom Mond aufgehellten Hintergrunds erkennbar war. Schließlich beobachtete er den Kometen am 10.9. in nur 6° Höhe in der Dämmerung (Sonnenhöhe: -13°), aber bei ziemlich transparentem Himmel: erneut zeigte er sich im 9x63B nahezu stellar; der Schweif war ansatzweise erkennbar; im 12.5T, 31x zeigte sich eine winzige Koma sehr hoher Flächenhelligkeit; der Komadurchmesser konnte mangels geeigneter Feldsterne nicht bestimmt werden und der Schweif war nur vage erkennbar.

Beobachtungen mit dem TRAPPIST-Teleskop am 31. August 2023 (r = 0.57 AE, 16 Tage vor dem Periheldurchgang) ergaben die folgenden Produktionsraten (Moleküle/s): OH: 12.4×1027, CN: 12.7×1025, C2: 15.8×1025, Af(rho): 480 cm (Astronomerís Telegram No. 16223).

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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