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Kometen-Auswertungen


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C/2023 H2 (Lemmon)


Mit dem 1.5m-Reflektor auf dem Mt. Lemmon wurde am 23. April 2023 im Grenzbereich der Sternbilder Bärenhüter/Jagdhunde ein asteroidales Objekt entdeckt, welches bei Folgebeobachtungen kometare Morphologie aufwies. Komet C/2023 H2 (Lemmon) zeigte eine 12" große Koma der Gesamthelligkeit 20.0m mit einer zentralen Verdichtung, aber ohne Schweif. Der Komet wird sein Perihel in der Sonnendistanz von 0.89 AE am 29. Oktober 2023 passieren und dürfte an diesem Tag die 13. Größenklasse aufweisen. Im weiteren Verlauf nähert er sich der Erde, die er am 11. November im Abstand von lediglich 0.193 AE passieren wird und dabei die 11. Größenklasse erreichen könnte, wobei er einen von mir prognostizierten Komadurchmesser von etwa 4' aufweisen sollte (CBET 5264). Heller als 16m sollte er zwischen Mitte September und Ende Dezember 2023 sein. In diesem Zeitraum bewegt er sich durch die Sternbilder Großer Bär, Jagdhunde (Perihel), Bärenhüter, Herkules (Erdnähe), Adler, Steinbock, Südlicher Fisch und Kranich. Von mitteleuropäischen Standorten aus kann er bis zur ersten Novemberwoche sowohl am Morgen- als auch am Abendhimmel gesichtet werden, wobei er bis Ende Oktober größere Horizonthöhen am Morgenhimmel aufweist. Um den 25. November verschwindet er über dem abendlichen Südhorizont. Am 31. Oktober kreuzt die Erde die Kometenbahnebene.

Der Komet konnte Anfang November 2023 gut im Fernglas erkannt werden und wurde der dritthellste Komet des Jahres 2023! Auf der Basis von 200 Beobachtungen von 54 Beobachtern (bis Anfang Februar 2024) ergibt sich eine überdurchschnittliche Aktivitätssteigerung vor und ein deutlich unterdurchschnittlicher Aktivitätsrückgang nach dem Perihel. Die Helligkeitsentwicklung kann recht gut mit den folgenden Parametern dargestellt werden:

vor dem Perihel: m0 = 10.6m / n = 5
nach dem Perihel: m0 = 10.2m / n = 2

Die maximale Helligkeit von 6.4m wurde am Tag der Erdpassage erreicht. Dabei zeigte die scheinbare Helligkeit einen sehr ähnlichen Verlauf vor und nach der Erdnähe. Sie lag zu Sichtbarkeitsbeginn bei 14.5m und Anfang Januar bei 12.5m.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Das Gleiche gilt für den scheinbaren Komadurchmesser. Er maß Mitte September 1.5', erreichte am 11. November 2023 den Maximalwert von 17' und lag Anfang Januar 2024 wieder bei 1.5'. Der ableitbare absolute Komadurchmesser maß Mitte September 125.000 km, erreichte Ende Oktober 2023 (in den Tagen des Periheldurchgangs) 200.000 km und war Anfang Januar 2024 wieder auf 125.000 km geschrumpft. Dabei präsentierte sich die Koma durchgehend gering verdichtet. Der Kondensationsgrad stieg nur leicht von DC 2-3 auf DC 3-4 während der Erdnähe, und lag Anfang Januar bei DC 3.

Nur wenige CCD-Beobachter meldeten Schweifsichtungen zwischen Mitte Oktober und Anfang Dezember. Dabei erreichte die festgestellte Schweiflänge Werte von etwa 20' (300.000 km), wobei die Schätzungen aber stark streuen. Dabei war der Schweif bis zum 4. November fast genau nach Nord gerichtet, drehte dann aber innerhalb weniger Tage auf ONO.

Andreas Kammerer beobachtete den Kometen ausschließlich von Karlsruhe aus. Am Abend des 6.11.23 war er durch eine Wolkenlücke hindurch im 9x63B leidlich gut erkennbar; die Koma präsentierte sich ziemlich diffus; im 12.5T, 31x zeigte sich eine merkliche Verdichtung zum Zentrum hin und bei 101x eine etwa 1' große innere Koma. Am 7.11. wirkte der Komet für Volker Kasten im 15x50B größer, aber mit deutlich geringerer Flächenhelligkeit als M13. Gemäß Andreas Kammerer wirkte der Komet nahezu unverändert im Vergleich zum vorangegangenen Abend; die Ausdehnung der inneren Koma schätzte er im 12.5T, 101x auf etwa 1.5'. Am 8.11. konnte er den Kometen kurz vor dem Eintreffen einer Wolkenfront beobachten: der Komet war im 9x63B vor dem aufgehellten Himmelshintergrund recht gut, aber nicht besonders deutlich zu erkennen. Am 9.11. stand der Komet in einer Aufklarungszone und war im 9x63B gut erkennbar, aber nicht auffällig, wobei die Koma stärker verdichtet erschien; im 12.5T, 31x zeigte sich eine zum Zentrum hin merkliche Verdichtung und eine deutlich unterscheidbare innere Koma.

Beobachtungen mit dem TRAPPIST-Teleskop am 11 November 2023 (r = 0.93 AE, 13 Tage nach dem Peri-heldurchgang) ergaben die folgenden Produktionsraten (Moleküle/s): OH: 4.8×1027, CN: 1.7×1025, C2: 2.2×1025, Af(rho): 42 cm (Astronomerís Telegram No. 16338).

FG-Beobachtungen


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