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Kometen-Auswertungen


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73P/Schwassmann-Wachmann

2022/23


Kein leichtes Objekt wird der Komet 73P/Schwassmann-Wachmann (P=5.44a) in der Sichtbarkeit 2022 sein. Er passiert am 25. August 2022 in der Sonnendistanz von 0.97 AE sein Perihel und dürfte dann 12m hell sein. Allerdings ist der Komet in den vergangenen Periheldurchgängen immer wieder sehr aktiv gewesen, so dass eine verlässliche Prognose nicht möglich ist. Der Komet sollte zwischen Juni und November heller als 16m sein und wird in diesem Zeitraum entlang der Ekliptik vom Sternbild Löwe bis in den Grenzbereich der Sternbilder Steinbock/Mikroskop laufen. Von mitteleuropäischen Standorten aus kann er am Abendhimmel gesichtet werden, allerdings nicht zwischen Ende Juni und Mitte November.

Vergleichsweise wenige Beobachtungen des Kometen wurden bis Mitte November 2022 publiziert. Insgesamt konnte ich 60 Beobachtungen von 16 Beobachtern für die Analyse verwenden. Diese zeigen zum einen eine recht große Streuung, zum anderen eine stetige Helligkeitsentwicklung gemäß den Parametern

m0 = 12.0m / n = 6

bis mindestens 30 Tage (Ende September 2022) nach dem Periheldurchgang. Damit erreichte er Anfang September 2022 eine Maximalhelligkeit von 12.0m. Beobachtungen ab dem 15. Oktober - von mehreren Beobachtern - zeigten den Kometen dann überraschend bis zu 10.5m hell, 3m heller als nach den Parametern zu erwarten gewesen wäre. Aktuell ist unklar, ob es sich dabei um einen kurzfristigen Ausbruch oder eine langfristig erhöhte Aktivität nach dem Perihel handelt.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Bis Ende Juni 2022 wies der Komet einen Komadurchmesser von 0.5' (30.000 km) auf. Danach vergrößerte sich die Koma bis zu einem Durchmesser von 1.7' (75.000 km) Ende August. In den Wochen danach nahm der Durchmesser langsam ab, stieg aber Mitte Oktober erneut an und erreichte 2.0' (95.000 km). Die Koma präsentierte sich über die gesamte Sichtbarkeit hinweg mit einem Kondensationsgrad von konstant DC 4-5. Einen Schweif bis 12' (700.000 km) Länge stellten die CCD-Beobachter ab Ende Mai fest, der konstant nach ESE gerichtet war.

Ende Juli entdeckte Michael Jäger zwei 19.5m schwache Fragmente des Kometen, die die Bezeichnung BU und BV erhielten. Drei weitere Fragmente der 19. Größenklasse (BW, BX und BY) wurden von Michael Jäger und Gerald Rhemann im August gefunden, eines davon am 14. August (17.5m hell) fast 50' vom Kometen entfernt, das am 13. August nicht sichtbar ist. Aus Sicht von Michael Jäger könnten damit weitere Fragmente nahe des Perihels erscheinen (Comet’s Mailing List). Das Fragment BW wies zunächst eine kondensierte, 10" große Koma auf, die in den Folgetagen diffus und elliptisch wurde. Fragment BX wies eine 15" große Koma und einen 60" langen Schweif auf und konnte über 10 Tage hinweg verfolgt werden. Fragment BY wies anfangs eine hochverdichtete innere und eine 45" große äußere Koma auf (MPEC 2022-R15).

Die weitere Entwicklung des Kometen ist unklar. Er bewegt sich im Winter 2022/23 vom Sternbild Mikroskop bis in den Grenzbereich der Sternbilder Walfisch/Fische, steht somit für mitteleuropäische Standorte in recht geringer Höhe über dem südlichen bzw. südwestlichen Abendhorizont.

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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