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Kometen-Auswertungen


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19P/Borrelly

2021/22


Der Komet 19P/Borrelly (P=6.84a) wird sein Perihel am 2. Februar 2022 in der Sonnendistanz von 1.31 AE passieren und könnte dann die 8. Größenklasse erreichen. Er wird für mitteleuropäische Standorte um den 10. Dezember 2021 als Objekt der 10. Größenklasse über dem südlichen Abendhorizont, im Sternbild Bildhauer positioniert, auftauchen. Bis zum Perihel bewegt er sich steil nach Norden vom Sternbild Bildhauer in den Grenzbereich der Sternbilder Fische/Widder, sollte somit ab dem Jahresende ein gut verfolgbares Abendhimmelobjekt sein. Im weiteren Verlauf geht seine Helligkeit wieder zurück und sollte im Juni 2022 die 16. Größenklasse unterschreiten. In diesem Zeitraum bewegt sich der Komet durch die Sternbilder Widder, Perseus, Fuhrmann und Luchs. Für mitteleuropäische Standorte erreicht er im März die größten Horizonthöhen und sinkt dann bis Juni dem nordwestlichen Abendhorizont entgegen. Am 6. Dezember kreuzt die Erde die Kometenbahnebene.

Der Komet wies vor und nach dem Perihel deutlich unterschiedliche Entwicklungen auf. Auf der Basis von 411 Beobachtungen von 56 Beobachtern (bis Anfang Mai 2022) ergeben sich die folgenden Formeln:

vor dem Perihel: m = 5.2m + 5×log D + 28.5×log r
nach dem Perihel: m = 7.3m + 5×log D + 11.2×log r

Zu Sichtbarkeitsbeginn erst 17m hell wurde die Maximalhelligkeit von 9.0m Ende Januar 2022 erreicht. Somit stieg seine Aktivität vor dem Perihel deutlich rascher an, als sie nach dem Perihel abnahm. Anfang Mai lag die Helligkeit immer noch bei 11.5m.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

Der Komadurchmesser stieg von Ende August 2021 bis Ende Januar 2022 sehr stetig von kleiner als 0.5' (25.000 km) auf 6.5' (325.000 km) an, wies in den folgenden vier Wochen diesen Wert konstant auf, um danach ebenfalls sehr stetig zurückzugehen; Anfang Mai maß die Koma noch 2' (225.000 km). Dabei zeigte die Koma interessanterweise über die gesamte Sichtbarkeit hinweg einen stetigen Rückgang des Kondensationsgrads, und zwar von DC 5-6 bei Sichtbarkeitsbeginn auf DC 2-3 Anfang Mai. Lediglich in den Wochen um das Perihel erreichte er nochmals einen Wert um DC 5. Ein Schweif konnte zwischen Anfang Januar und Ende März 2022 ausgemacht werden; dieser erreichte eine maximale Länge von 0.5° (2.5 Mill. km). Dabei wies der Schweif konstant in ostnordöstliche Richtung.

Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus im 23.5-T, 181x am Abend des 13.1.22 auf 13.2m, am 15.1. auf 13.2m und am 24.1. auf 13.4m. Andreas Kammerer beobachtete im 8"SC, 50x eine ziemlich diffuse Koma mit einem signifikanten inneren Bereich. Am Abend des 30.1. bestimmte Gerhard Scheerle die Helligkeit des false nucleus im 23.5-T, 181x zu 13.2m, am 7.2. zu 12.8m, am 13.2. zu 13.6m und am 23.2. zu 13.2m; dabei beobachtete er am letztgenannten Abend eine einseitig fächerförmig in PW 50...140° ausgedehnte Koma. Gemäß Andreas Kammerer präsentierte sich der Komet am letztgenannten Abend im 8"SC 50x als einfaches Objekt mit einer merklich verdichteten Koma; bei 161x konnte er keinen stellaren false nucleus ausmachen, dafür einen kleinen Materieknoten. Am 3.3. bestimmte Gerhard Scheerle die Helligkeit des false nucleus im 23.5-T, 181x zu 13.4m, und am 5.3. zu 13.6m. Andreas Kammerer beobachtete am 7.3. im 8"SC, 50x, nur 10° vom zunehmenden Mond entfernt, einen merklich schwächer und diffuser gewordenen Kometen; bei 161x stellte er wiederum einen kleinen Materieknoten im Zentrum fest. Am 24.3. berichtet er von einem schwierigen Objekt, da der Himmel in Richtung des Kometen leicht dunstig war; die Koma zeigte weiterhin eine kleine zentrale Verdichtung. Am 3.4. beobachtete er ein schwaches Objekt, welches zur Mitte hin verdichtet war.

Gerald Rhemann entdeckte auf seinen Aufnahmen vom 1. und 2. November 2021 einen dünnen Staubstreifen, sowohl vor als auch hinter dem Kometen, der sich auf beiden Seiten über mindestens 1° erstreckte. Während der Staubstreifen Anfang November in beiden Richtungen ähnlich hell war, zeigte sich der vorausgehende Teil am 22. November deutlich schwächer (CBET 5080).

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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