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103P/Hartley

2010/11


Der Komet 103P/Hartley (P=6.47a) wird sich der Erde am 20. Oktober 2010 bis auf 0.121 AE nähern, und ihr fast vier Wochen lang näher als 0.15 AE sein. Die prognostizierte Maximalhelligkeit beträgt 4.5m (m0=8.5m / n=8). Von Mitteleuropa aus wird er ein gut sichtbares Objekt der zweiten Nachthälfte sein, das durch die Sternbilder Kassiopeia, Perseus, Fuhrmann, Zwillinge, Einhorn in den Großen Hund läuft.

Der Komet war zweifellos der interessanteste Schweifstern des Herbstes 2010. Auf der Basis der 63 Beobachtungen von 9 FGK-Beobachtern sowie von 345 internationalen Beobachtungen ergibt sich eine maximale Helligkeit von 5.0m am 21. Oktober 2010. Die Helligkeitsentwicklung ist, wie bereits in den vorangegangenen Sichtbarkeiten, deutlich zweigeteilt. Während die Aktivität des Kometen vor dem Perihel extrem rasch ansteigt, flaut sie nach dem Perihel deutlich langsamer wieder ab. Formelmäßig sieht das so aus (wobei das Maximum nicht gut definiert ist):

vor dem Perihel: m = 9.2m + 5×log D + 28.0×log r
nach dem Perihel: m = 9.4m + 5×log D + 9.4×log r

Der scheinbare Komadurchmesser lag zu Sichtbarkeitsbeginn bei knapp 1' und stieg bis Anfang September auf lediglich 3' an. Danach kam es zu einer raschen Ausdehnung auf 18' Anfang Oktober und schließlich 35' zum Perigäum. Es folgte ein zunächst rascher Rückgang auf 25' Mitte November, der in der Folge stetig langsamer wurde; Ende Dezember maß die Koma noch 10', Ende Januar 4', Ende März 2' und Ende April 1'. Der absolute Komadurchmesser betrug zu Sichtbarkeitsbeginn 25.000 km. Mitte September maß die Koma bereits 150.000 km und Mitte Oktober 200.000 km. Von Mitte November bis Ende Dezember wies die Koma die maximale Ausdehnung von 210.000 km auf. Danach kam es zu einem raschen Rückgang auf 180.000 km Anfang Januar und 130.000 km Ende Januar. Bis Ende April schrumpfte er langsam weiter bis auf 100.000 km. Der Koma-Kondensationsgrad lag zu Sichtbarkeitsbeginn bei DC 5-6, nahm aber in den folgenden Wochen kontinuierlich ab und betrug Mitte September nur noch DC 3. Dieser Verdichtungsgrad wurde im weiteren Verlauf fast konstant gehalten. Die Beobachtungen deuten nur einen sehr geringen Rückgang auf DC 2-3 zum Jahresende und auf DC 2 Ende April an. Visuell konnte zwischen September und November 2010 ein maximal 6' (0.1 Mill. km) langer, nach Westen gerichteter Schweif ausgemacht werden.

Helligkeit und scheinbarer Komadurchmesser

In der Nacht 6./7.8. zeigte der Komet laut Walter Kutschera am Livebildschirm einen kurzen Schweifansatz; visuell konnte er eine schwache Aufhellung mit erkennbarem Kernbereich ausmachen. Uwe Pilz konnte am 10./11.8. nach längerem Hinschauen eine deutliche Helligkeitszunahme zur Mitte hin feststellen. Gemäß Walter Kutschera war der Komet am 12./13.8. heller geworden; die leicht elongiert wirkende Koma war nun deutlich sichtbar. Am 20./21.8. meldet er eine ovale Koma mit herausgehobenem Kernbereich. Am 1./2.9. zeigte der Komet nach seinen Angaben eine ausgedehnte Koma mit hervorgehobenem Kernbereich. Michael Hahn konnte am 2./3.9. einen Schweifansatz in der inneren Koma erkennen. Laut Uwe Pilz war der Komet am 4./5.9. deutlich heller geworden; der breite Schweifansatz zeigte sich mit strahlenförmiger Struktur; die zentrale Kondensation war oval und leicht in Richtung Schweif gebogen. Walter Kutschera beobachtete in der gleichen Nacht eine deutlich größer gewordene birnenförmige Koma. Dieter Schubert beobachtete in der Nacht 11./12.9. eine große, runde sehr diffuse aber gut sichtbare Kometenwolke, die zum Zentrum hin mäßig heller wurde; der Einsatz eines CLS-Filter erbrachte eine Kontraststeigerung. Am 17./18.9. notierte er eine große, runde sehr diffuse Wolke, die in ihrer Gesamtheit bei indirektem Sehen am besten auszumachen war; bei direktem Sehen war nur das leicht hellere Zentrum erkennbar. Walter Kutschera meldete für den 18./19.9. eine große unrunde Koma mit Faserstrukturen und schneeballförmigem Kernbereich; im 96cm-Newton zeigte sich die Koma grünlich.

In der Nacht 1./2.10. beobachtete Andreas Kammerer eine große, ziemlich diffuse Wolke, die zum Zentrum hin nur mäßig verdichtet war; eventuell störten leichte Cirren am Ort des Kometen. Walter Kutschera erkannte im 80mm-Refraktor ein ausgedehntes Nelbelfleckchen 2' westlich von NGC 281. Volker Kasten notierte am 3./4.10. eine in PW~223° längliche Koma; das Erscheinungsbild ähnelte M 33 im Fernglas. Dieter Schubert beobachtete eine große runde Wolke mit rascher Helligkeitszunahme zum Zentrum hin, welches nicht zentral lag und leicht oval war; die Koma wirkte nicht mehr sehr diffus. Laut Walter Kutschera war die leicht strukturierte Koma größer geworden und wies einen deutlichen Kernbereich auf. Gemäß Andreas Kammerer war die Koma am 8./9.10. aufgrund der hohen Sterndiche nahe h+chi Per schwer abgrenzbar; sie erschien diffuser als 7 Tage zuvor. Michael Möller meldete für den 9./10.10. eine zentrale Kondensation, die einen Durchmesser von 3.5' und eine Helligkeit von 7.4m aufwies. Laut Volker Kasten ähnelte das Erscheinungsbild des Kometen der Galaxie M 33. Walter Kutschera beobachtete eine große, oval wirkende Koma mit herausgehobenem Kernbereich, der Strukturen zeigte. Volker Kasten vergleicht den Kometen am 10./11.10. im 10x50 mit M 33: der Komet hatte eine etwas größere Flächenhelligkeit, die Koma aber war ein wenig kleiner als die Galaxie. Andreas Kammerer beobachtete eine große, diffuse Koma, die aber zur Mitte hin eine deutliche Verdichtung zeigte; im 8"SC, 77x wies die Koma nahe des Zentrums einen steilen Helligkeitsgradienten auf; bei 161x konnte er einen 12.0m hellen false nucleus feststellen; die angegebene Gesamthelligkeit ist etwas extrapoliert, da die Defokussierungsmöglichkeit des Fernglases nicht ausreichte. Laut Walter Kutschera stellte sich die innere Koma vergrößert und mit verschiedenen Helligkeitabstufungen dar. Dieter Schubert notierte eine große, runde gut kondensierte Koma, deren Randbereiche klar abgegrenzt waren; sie wurde zum Zentrum hin rasch heller; der Komet war im 10x50 Fernglas leicht auszumachen. Gemäß Walter Kutschera zeigte der innere Komabereich am 11./12.10. deutliche Faserstrukturen. Gerhard Scheerle schätzte die Helligkeit des false nucleus auf 13.2m. Am 12./13.10. war der Kontrast Komet - Hintergrund merklich schlechter als 2 Nächte zuvor; der Komet erschien Andreas Kammerer - wohl daher - diffuser; im 8"SC, 77x konnte er einen deutlich verdichteten Zentralbereich mit steilem Helligkeitsgradienten beobachten; bei 161x zeigte sich ein stellarer, 11.5m heller false nucleus. Walter Kutschera beobachtete eine bläuliche Koma. Am 17./18.10. hatte der Kondensationsgrad laut Uwe Pilz etwas zugenommen; einen Schweif konnte er trotz großer Anstrengung nicht ausmachen. Mit dem bloßen Auge war der Komet schwach, aber nicht extrem schwer erkennbar. Am 28./29.10. stand der Mond bei der Beobachtung von Gerhard Scheerle nur 9° entfernt. Am 6./7.11. beobachtete Michael Hahn einen länglichen false nucleus. Am 4./5.1.11 beobachtete Uwe Pilz eine runde, sehr diffuse Koma mit einer kaum wahrnehmbaren Helligkeitszunahme zur Mitte hin; insgesamt war der Komet kein leichtes Objekt. Walter Kutschera zeigte sich der Komet am 29./30.1. mit einer leicht elongierten kleinen Koma und kurzem Schweifansatz. In der Nacht 15./16.2. beobachtete Walter Kutschera visuell eine schwache Aufhellung mit leichter Verdichtung. Uwe Pilz konnte den Kometen am 24./25.3. gerade eben erkennen; bei 96x war indirekt eine schwache homogene Aufhellung von 3' Größe auszumachen, die fleckig wirkte; das Objekt war insgesamt sicher zu sehen, aber nicht einfach, die Helligkeitsbestimmung entsprechend schwierig.

Der Vorbeiflug der NASA-Sonde Deep Impact am 4. November 2010 gestaltete sich sehr erfolgreich. Die Sonde kam dem Kometenkern bis auf 700 km nahe und ermittelte für den erdnußförmigen Kern eine größte Achse von 2.2 km, womit er der kleinste bislang von einer Sonde abgebildete Kometenkern darstellt. Bemerkenswert ist die sehr glatte Oberfläche im Mittelteil des Kerns. An den Enden sind zahlreiche Jets erkennbar.

Ein Beobachterteam untersuchte den Kometen zwischen dem 13. und 17. August im CN-Spektralbereich. Dabei stellte es einen korkenzieherartigen Jet in PW=350° fest, mit dessen Hilfe die Rotationsperiode zu 16.6 +/- 0.5 Stunden bestimmt werden konnte. Infrarotbeobachtungen des Kometen wiesen am 16. September die Muttermoleküle H2O, CH3OH, C2H6 und HCN nach, während CH4 nicht nachgewiesen werden konnte. Radiobeobachtungen zeigen im Zeitraum 30.9.-4.10. und 9.-12.10. einen Anstieg der OH-Produktionsrate von 0.8·1028 auf 1.2·1028 Moleküle/s. Schmalband-Photometrie am Planetary Science Institute zwischen dem 30.9. und 4.10. zeigten einen rotierenden Jet, der in den erdabgewandten Abschnitten deutlich schwächer war. Die hieraus ermittelte Rotationszeit beträgt 17.6 Stunden, wobei die morphologischen Veränderungen während einer Rotation auf einen recht elliptischen, retrograd rotierenden Kern deuten. Beobachtungen mit dem Arecibo-Radioteleskop vom 24.-27. Oktober zeigen einen stark elongierten unregelmäßigen Kern, dessen Längsachse mindestens 2.2 km misst. Es zeigte sich ein deutliches Radarecho von cm-großen Partikeln, die bevorzugt in die erdabgewandte Richtung mit Geschwindigkeiten von 4 m/s emittiert wurden. Beobachtungen mit dem WISE-Satelliten wiesen eine vom Kern ausgehende Staubspur mit Staubpartikeln zwischen 1 und 12 mm nach. Mit dem Infrarotteleskop IRTF wurde die Staubtemperatur zu 290K bestimmt, was etwas oberhalb der Gleichgewichtstemperatur bei r=1.06 AE liegt. Schmalband-Photometrie zwischen dem 29. Oktober und dem 7. Dezember ergab für die ersten drei Wochen eine Periode der Helligkeitsvariation von 18.4 Stunden, in den folgenden Wochen von 19.0 Stunden. Diese Vergrößerung der Periode ist in Übereinstimmung mit den Beobachtungen vom August, welche eine Periode von 16.6 Stunden ergaben. Staubausbrüche konnten im Beobachtungszeitraum nicht festgestellt werden (IAUC 9171, 9175, 9177-9181, 9183, CBET 2495, 2589).

Andreas Kammerer

FG-Beobachtungen


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