Auswertungen abgeschlossener Kometensichtbarkeiten

Interessante schwächere Kometen 2008


R.H. McNaught entdeckte am 20. August 2006 einen Kometen im Grenzbereich der Sternbilder Hase/Taube. Der 17.5m helle Komet C/2006 Q1 (McNaught) wies auf langbelichteten Aufnahmen eine 20" große Koma mit schwacher zentraler Kondensation, aber keinen Schweif auf. Der Komet befindet sich aktuell noch in großer Sonnendistanz und wird sein Perihel erst Mitte 2008 erreichen. Bei einer durchschnittlichen Helligkeitsentwicklung sollte er im Frühjahr 2008 eine maximale Helligkeit von 11-12m erreichen (IAUC 8742). Heller als 15.0m wäre er dann von Sommer 2007 bis Sommer 2009. Von Mitteleuropa aus ist er im April/Mai 2008 in geringer Höhe über dem abendlichen Südhorizont (Sternbilder Luftpumpe/Wasserschlange) und dann von Dezember 2008 an bis Sommer 2009 am Morgen- bzw. Nachthimmel (Stermbilder Jungfrau, Schlange, Herkules) sichtbar.
Für die Auswertung des von Mitteleuropa aus nur zum Monatswechsel April/Mai 2008 knapp über dem abendlichen Südhorizont und ab dem Jahresende 2008 sichtbaren Kometen können insgesamt 7 Beobachtungen von 2 FGK-Beobachtern und 65 internationale Beobachtungen herangezogen werden. Die Helligkeitsentwicklung kann relativ gut mit der Formel m = 4.8m + 5×log D + 10.2×log r dargestellt werden, was eine maximale Helligkeit von 11.2m Ende April 2008 ergibt. Der Komadurchmesser stieg deutlich von 0.5' (70.000 km) Ende 2007 auf 2.8' (300.000 km) Mitte Mai 2008 an. Bis Anfang 2009 war er wieder auf 0.8' (150.000 km) zurückgegangen, wo er bis mindestens Ende Mai 2009 verharrte. Der Koma-Kondensationsgrad lag bis zum Februar 2009 recht konstant bei DC 4. Danach wurde die Koma zunehmend diffuser; Ende Mai lag der Kondensationsgrad nur noch bei DC 1.

Scheinbare Helligkeit und Komadurchmesser

Walter Kutschera gibt folgende Beschreibungen: in der Nacht 28.2./1.3.09 zeigte sich der Komet als schwaches, mäßig kondensiertes Objekt; war bei den guten Bedingungen aber dennoch visuell leicht beobachtbar. Am 21./22.3. präsentierte sich der Komet als schwaches diffuses Objekt mit geringer Kondensation; war aber weiterhin gut ausmachbar. Deutlich schwächer geworden war der Komet am 12./13.4.; an der erwarteten Position konnte er nur noch eine schwache Aufhellung ausmachen.

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Am 6. Mai 2008 entdeckte E. Beshore mit dem 1.5m-Mt.Lemmon-Teleskop einen 13.8m hellen Kometen im Grenzbereich der Sternbilder Schlangenträger/Schlange. Komet P/2008 J2 (Beshore) wies eine 20" große, diffuse Koma und einen mindestens 20" langen, schwachen Schweif in PW=250° auf. Die Ermittlung der Bahn gestaltete sich überraschend schwierig und führte zu mehrfachen deutlichen Änderungen der ermittelten Bahnelemente. Der Komet zieht mit einer Umlaufszeit von 6.5 Jahren um die Sonne und lief Ende März durch das Perihel seiner gering elliptischen Bahn (IAUC 8941/44 und MPEC 2008-M03). Seine größte Helligkeit von etwa 13.0m erreichte er im Juni/Juli bei einem maximalen Komadurchmesser von 1'. Allerdings streuen die Schätzungen sehr stark (12.5-14.0m und 0.5'-5').

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Der Komet 7P/Pons-Winnecke (P=6.36a) erreichte im September 2008 eine maximale Helligkeit von 11.0m - 1.5m heller als erwartet. Der Durchmesser der mäßig (DC 4) verdichteten Koma wurde auf 2' geschätzt.

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Gemäß den 15 vorliegenden Beobachtungen (ausschließlich nach seinem Periheldurchgang) des Kometen 19P/Borrelly (P=6.85a) erreichte dieser Anfang August 2008 eine maximale Helligkeit von 9.3m, was etwa den Prognosen entspricht. Die Helligkeitsentwicklung kann gut mit der Formel m = 5.0m + 5×log D + 20.5×log r beschrieben werden. Betrug der Durchmesser der eher gering (DC 3-4) verdichteten Koma zu Sichtbarkeitsbeginn noch 6' (550.000 km), so ging er bis Ende September deutlich auf 2' (175.000 km) zurück. Anfang Januar 2009 maß er noch 1.2' (100.000 km).
Dieter Schubert beobachtete am 30./31.8. einen recht großen, gleichmäßig hellen runden Nebelfleck, der sich gerade noch vom Himmelshintergrund abhob - insgesamt war er ein schwieriges und sehr diffuses Objekt. Am 26./27.9. zeigte er gemäß Walter Kutschera eine elongierte Koma. Am 28./29.9. zeigte sich der Komet nach seinen Beobachtungen als diffuses, elongiertes Objekt, das bei 250x einen diffusen, herausgehobenen Kernbereich aufwies. Am 2./3.10. notierte er ein flächenhaftes elongiertes Objekt mit kaum merklicher Verdichtung. Schließlich konnte er den Kometen am 8./9.11. nur noch als mäßig kondensiertes insgesamt schwaches Objekt feststellen.

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Nach seinem Auftauchen am Morgenhimmel wurde eine erste visuelle Beobachtung des Kometen 26P/Grigg-Skjellerup bekanntgeworden: Am 6.4.2008 schätzte J.J. Gonzalez den Kometen auf 11.3m - passend zu den von mir ermittelten Helligkeitsparametern. Die 2.8' große Koma war sehr diffus (DC 2) - typisch für diesen Kometen. Soweit es die sehr kleine Zahl an publizierten Beobachtungen zulässt, scheint seine Helligkeitsentwicklung nach dem Perihel den Prognosen zu entsprechen (m0=12.5m/n=4). Damit erreichte er im Perihel (23.3.2008) eine maximale scheinbare Helligkeit von 11.5m. Bis Anfang Juni war die Helligkeit auf 13.5m zurückgegangen. Der Komadurchmesser lag anfangs bei knapp 3', Anfang Juni bei 1', wobei die Koma ziemlich diffus war (DC 2). In der Nacht 4./5. Mai beobachtete Walter Kutschera den Kometen mit seinem 54cm-Reflektor plus CCD als 13.8m helles Objekt mit einer 0.8' großen, kreisrunden Koma des Kondensationsgrads DC 4.

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Am 10. September 2008 entdeckten die japanischen Amateure Koichi Itagaki und Hiroshi Kaneda auf Überwachungsaufnahmen, die sie mit einem 21cm-Reflektor gemacht hatten, einen 13m hellen Kometen nahe der Grenze der Sternbilder Wassermann/Adler. Dieser präsentierte sich auf ihren CCD-Aufnahmen mit einer 25" großen, stark verdichteten Koma und einem 2' langen, nach Ostsüdost gerichteten Schweif. Maik Meyer erkannte als erster die Identität mit dem Kometen P/Giacobini (1896 V). Damit hatte Komet P/2008 R6 (Giacobini) seit seiner Entdeckung 17 Umläufe absolviert, wobei er die Erde am 9.9.1962 in nur 0.51 AE und Jupiter am 14.1.1992 in nur 0.81 AE passierte. Am 17. September wurden zwei Fragmente gefunden: das hellere Fragment B, 4m schwächer als die Hauptkomponente A, befand sich 70" westlich und 5" südlich derselben, das schwächere Fragment C, 5m schwächer als die Hauptkomponente, befand sich 660" westlich und 60" südlich derselben. Ihre Positionen können mit den Elementen der Hauptkomponente errechnet werden, indem für B dT=+0.014d und für C dT=+0.133d angesetzt wird. Nach Untersuchungen von Z. Sekanina trennte sich die Komponente B in der zweiten Jahreshälfte 2006 von der Hauptkomponente, C bereits Ende 1998. Zwischenzeitlich hat der Komet die endgültige Bezeichnung 205P/Giacobini (U=6.66a) erhalten (IAUC 8975, 8976, 8978, 8980, 8987, MPEC 2008-S47).
Aus den insgesamt nur 20 vorliegenden Beobachtungen lässt sich keine plausible Helligkeitsentwicklung ableiten. Die Schätzungen deuten eine Zunahme der heliozentrischen Helligkeit noch nach dem Perihel an, doch dürfte hierfür eher die merkliche Streuung der Schätzungen verantwortlich sein. Insgesamt scheint der Komet Mitte September 2008 seine maximale Helligkeit von 12.5-13.0m erreicht zu haben, wobei der Durchmesser der mäßig verdichteten (DC 4) Koma knapp 2' betrug. Walter Kutschera beobachtete diesen Kometen mit seiner Watec-Kamera am 54cm-Reflektor am 25./26. Oktober: der Komet zeigte eine schwach kondensierte (DC 2-3), 1.0' große Koma der Helligkeit 13.8m und einen 2.5' langen Schweif.

Andreas Kammerer


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